„Ich verfolge ihren Weg schon lange“, lacht Sr. Maria vom Alten- und Pflegeheim in Etzelkirchen Pflegekritiker Claus Fussek an, dieser lacht zurück: „Das höre ich immer wieder, dass ich verfolgt werde!“ und dann kommen beide sofort in ein kurzes Gespräch. Kontakt auf Augenhöhe ist ihm wichtig, keine abgehobenen Reden – sondern klare Worte: „Treten sie die Noten des MDK einfach in die Tonne, sie haben keinen Wert!“ Ein gutes Heim lebt durch Mundpropaganda und durch ehrliche Worte, so Fussek. „Wenn die Menschen mich fragen: „Können sie uns ein gutes Heim empfehlen?“ dann antworte ich: „Geht abends in die Heime eurer Umgebung, am Wochenende, fragt den Bestatter und die Ärzte, denn die sind zu jeder Tages- und Nachtzeit in den Heimen.“ Von einem Heimleiter, der Hochglanzbroschüren verteilt und behauptet, bei ihm sein alles in Ordnung, sollte man sich schleunigst verabschieden. Viel Zustimmung bekam er für seine klaren Worte, auch vom ehemaligen Vorsitzenden der paritätischen Wohlfahrtsverbände Bayerns in Zimmermann.
Auch Heimleiter Ganzmann empört sich über den Bürokratismus: „Ich schenke Malzbier und richtige Fruchtsäfte aus, aber bei den Pflegesatzverhandlungen ist das jedem egal. Ich kann doch eine Generation, die Deutschland wieder aufgebaut hat nicht mit Billiggetränken abfertigen!“ Auch der ehemalige Kreisgeschäftsführer Jürgen Üblacker und seine Nachfolgerin Beate Ulonska waren gekommen, um mit dem Pflegekritiker in den Dialog zu treten.
Jeder weiß um die Missstände in den Heimen, über den Spagat zwischen Menschlichkeit und Bürokratie und jeder weiß, dass unter den gegebenen Rahmenbedingungen eine optimale Betreuung gar nicht zu schaffen ist.
Deswegen plädiert auch Fussek für Ehrlichkeit: „Ehrliche Heimleiter, ehrliche, fachlich kompetente Pflegekräfte, die angstfrei arbeiten können und Missstände offen äußern können, um Verbesserungen anzustoßen! Wir haben keine Erkenntnisproblematik, jeder weiß, dass dieses System krankt. Ich kenne niemanden, der im Minutentakt pflegt und niemanden, der im Minutentakt gepflegt werden will.“
PflegerInnen sollen raus aus der Jammerrolle und in die Offensive gehen, nur 5 Prozent der Pflegekräfte sind organisiert, bei den Lokomotivführern sind es 80 Prozent, dabei hätten die Pflegekräfte die Macht in der Hand
. Den Heimleitern rät er: „Nennt das Leitbild Leidbild, oder lasst es ganz weg! Wenn sich die Hälfte der Menschen sich in unseren Heimen wohlfühlt, dann haben wir es geschafft.“
„Was immer auch geschieht: Nie sollt Ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man Euch zieht, auch noch zu trinken!“ mit diesem Zitat von Erich Kästner, entließ Pflegekritiker Claus Fussek bei seinem Besuch im Alten- und Pflegeheim in Etzelskirchen seine Zuhörer, bevor er sich wieder auf den Weg zurück nach München begab.